In Sachen Schlaf

Wer sich gewundert hat, weshalb hier auf dem Blog eine merkwürdige Ruhe eingekehrt ist, erfährt jetzt endlich den Grund dafür: Chaos in Sachen Schlaf. Letzte Woche war Emma oft ab dem Nachmittag untröstlich, weinte viel, war nicht zu beruhigen und sorgte somit für ordentliche Turbulenzen. Ich dachte erst, dass sie zahnt, dann aber schien es, als ob der Schlaf und das Einschlafen ein wirklich existentielles Problem seien.

Letzte Woche Freitag, nachdem ich völlig k.o. von den hinter mir liegenden Tagen war, begann ich dann ein Protokoll zu führen. Schlafzeiten, Kommentare  zum Einschlafen, der Schlafplatz, Zeiten der Mahlzeiten und so weiter. Aufwendig, aber notwendig. Nach 5 Tagen Schlafprotokoll ist heute der 6. Tag der neuen Schlafära angebrochen und ich muss sagen, ich bin nicht nur erleichtert, ich bin auch überrascht, wie gut die schlauen Tipps der Schlafprofis im Internet funktionieren.

Statt in meinem Arm oder an der Brust einzuschlafen, liegt Emma jetzt „eigenmächtig“ im Bett und je nach Lage helfe ich ihr einzuschlafen. Mal mit Brummen oder einem „Shhh“, mal mit Poklopfen, Rückenstreicheln, Händchenhalten oder über sie lehnen. Die Intervalle in denen sie weint werden immer kürzer. Gerade eben ist sie wieder eingeschlafen und hat es mit lapidarem Händchenhalten in 4 Minuten geschafft – absoluter Rekord! Vor einer Woche sah das Szenario noch anders aus, 10-20 Minuten schreien – und teilweise wie am Spieß. Zwar weint sie jedes Mal wenn ich sie hinlege, aber das ist meist nicht mehr so fatal. Mittlerweile verstehe ich auch, dass sie das teilweise braucht. Ein paar Minuten ordentlich meckern und strampeln bis der Ärger raus ist und dann geht alles besser. Wenn sie so ärgerlich ist, sitze ich neben ihr und brumme auch mal herum oder streiche ihr über den Kopf aber meist hilft das nicht wirklich, erst dann, wenn sie fertig ist mit dem Pflichtärgern.

Der nächste Schritt im „Programm“ wird sein, ihr zu helfen, ihre Schlafintervalle von ca. 30 Minuten selbst überbrücken zu lernen. Momentan wacht sie tagsüber nach 30 Minuten auf und weint (bis auf das erste Mal gestern, wo sie quasi ruhig und von selbst wieder eingeschlafen ist, Dank des guten Nuckels) und braucht dann Assistenz um den Schlaf wiederzufinden. Ihre Schlafrota sieht momentan ungefähr so aus:

Vormittag: 30 min

Mittag (1.5 Stunden nach dem Ende des Vormittagsschlafes): 2-3 Stunden (je nachdem, wie gut sie schlafen kann)

Nachmittags gegen 16:00 Uhr (Albert Kita-Abholzeit): 30-60 min im Wagen oder Carrier

Abend: 30 min

Vorbettgehschlaf: 30 min

So kommt sie insgesamt auf ca. 4-5 Stunden Schlaf, den sie auch braucht, da sie in der Nacht ja „nur“ 9 Stunden schläft (mit Glück nur mit einer Unterbrechung), aber insgesamt ca. 14 Stunden braucht.

Zwar ist das abendliche Weinen nicht wirklich abgeschafft, aber es ist wesentlich weniger geworden und einfacher zu handhaben. Ausserdem habe ich jetzt die Hände frei um András‘ Doktorarbeit zu korrigieren wenn sie schläft. Wenn sie dabei noch auf mir lag, ging das nach einer Weile alles andere als gut (ausserdem ja nur einhändig, also langsamer) und die Schulter schmerzte bald ordentlich von einem teilweise sehr unergonomischen Bewegungsmuster.

Ganz unemotional ist die Sache für mich dennoch nicht, denn irgendwie hat man schon das Gefühl, dass man sich von der gemütlichen „Baby-schläft-bei-mir-ein“-Phase verabschiedet. Allerdings wird es sicher ab und zu Ausnahmen geben, wenn sie gelernt hat, wie man normal (nämlich im Bett) einschläft, so dass ich mich der Wehmut etwas entziehen kann. Eigenartig, wie schnell Phasen vorbeigehen. Zweimal tief durchgeatmet und schon ist aus dem kleinen zarten Neugeborenen ein „richtiges“ Baby geworden. Was übrigends heute das erste mal richtig gelacht hat als ich sie gekitzelt habe…und gestern Abend das erste Mal ganz oft vom Rücken auf die Seite gerollt ist…

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