1. Dezember: Das Warten beginnt

Wir warten in Erwartung auf das, was da kommt. Dieses Warten schlägt sich in vielerlei Facetten nieder. Albert hat sich zum Auftackt eine besonders originelle Version ausgesucht: nächtliches Warten.

Dieses Jahr haben wir einen innerfamiliären Kalender, bei dem jeder von uns insgesamt sechsmal ein Tuetchen öffnen darf. Selbstverständlich durfte Albert heute als Erster dran sein. Die Bedingung fuer das Öffnen der Tuete nach dem Aufstehen war, dass er neben dem morgendlichen Toilettengang auch vollständig angezogen sein muss. Als ich in der Nacht ins Badezimmer schlurfte, nachdem mich Emma mit ihrem Superschnupfen bereits 45 Minuten unterhalten hatte, sah ich Licht in Albert´s Zimmer und ein leeres Bett. Zwecks recht grosszuegiger Verteilung von Decke und András auf dem Sofa im Wohnzimmer nahm ich also an, dass Albert zwischendurch in väterliche Breitengrade uebergewechselt war. Weitere 40 schlaflose Minuten danach wechselten wir (nicht die Bäume) sondern die Betten und András ging ins Schlafzimmer zu Emma. Es braucht nicht erwähnt zu werden, dass dann nach ungefähr 10 Minuten Stille herrschte. Warum ich nicht schon frueher gekommen sei, wurde mir gesagt, quasi vor dem ultimativen Genervtsein nach 1.5 Stunden Wachsein. Naja. Weil ich ja dachte, Albert läge neben Papa und wuerde dann wach werden. Das konnte ich im knappen Wechsel des schlafbaren Untersatzes aber nicht mehr klar machen. Nun gut. Auf der wohnzimmerlichen Couch liegend, viel mir auf, dass Albert doch nicht dort war. Stattdessen hörte ich von Richtung Fenster gleichmässige Atemzuege. Da lag der junge Mann um 4:30 und schlief auf Sofa Nummer 2! Ich deckte ihn zu und wunderte mich, dass er eine Strickjacke anhatte. Wurde ihm das von Papa empfohlen? Aber welchen Sinn hätte das gemacht? Er hätte Albert doch sicher wieder ins Bett befördert!

Die Auflösung des mysteriösen Geschehens er“wartete“ uns am Morgen. Nicht, dass ich noch ueberhaupt geschlafen hätte in dieser Nacht. Nervösität macht Schlaf ab und zu ueberfluessig. Als ich Albert einen „Guten Morgen“ wuenschte, wartete er nicht lange und erklimmte schnell die Armstuetze der Sofas, stellte sich darauf und machte Anstalten, nach Tuete Nr 1 des Adventskalenders zu greifen. Dann sah ich es. Er war komplett angezogen. Hatte er doch mitten in der Nacht gedacht, er bereite sich mal schon auf das „Geschenk“ vor. Und „wartete“ somit, völlig unbemerkt von dem schlafenden Papa, auf dem Sofa vor dem Fenster. Gibt es grössere Hingabe? Ein innigeres Erwarten?

Das war der Auftakt. Unerwartetes Warten. Wollen wir doch mal sehen, wie das hier noch so weitergeht…