„Valedi!“

Gerade brüte ich über der Korrektur von András seinem Thesenpapier was er bald an einen Professor in Deutschland in Vorbereitung ihres Treffens schicken möchte. Mir fallen vor lauter Märtyrern, Konzialisierungen und Häresien fast die Augen zu.

Doch da dringen bekannte Laute aus der Küche an mein Ohr. Was ich nicht sehen kann, fügt sich in meinen Gedanken zu einem durchaus amüsanten Schauspiel zusammen: Ein nackt im Kreis rennendes Kleinkind, dass, mit den Armen wie ein Huhn flatternd, lauthals schreit. Hinter ihm läuft ein leicht ermüdeter (wen wundert es nach einem fast vollständig durchgearbeiteten Sonntag!) männlicher Erwachsener, der das Szenario mit den Rufen „Baledi!“ bereichert. Albert fügt diesem ein sattes „Valedi!“ hinzu.

Sollte jemand diese allabendlichen Begebenheiten beobachten, unser Geisteszustand könnte durchaus kritisch beurteilt werden. In den meisten Fällen sieht man mich klatschend hinter Albert laufen, beinhahe anbetend kreisen wir um den Plastik(pipi)topf, der in der Mitte steht, fuer den Fall, dass jemand davon Gebrauch machen möchte (in den meisten Fällen Albert).

Gewöhnlich verringern sich unsere kognitiven Leistungen nach dem täglichen Abendessen rapide und werden unweigerlich auf dem Level von „Valedi!“ und „Gabbeledi!“ arretiert. Wen wundert es, dass mir da der Sinn nicht so recht nach Märtyrern und der Doktorarbeit meines Haustheologen steht…. ;-)!

Drinnen spielen

Am Wochenende spielt Albert oft mit Lego. Hier besteigt der Legomann den Besenstiel!

Albert hat sich ausserdem eingecremt mit der Wind- und Wettercreme, die er letztes Jahr von Oma bekommen hat. Das hat er von Papa gelernt. Vor dem Spiegel wird die reichhaltige Creme mit dem Zeigefinger ins Gesicht transferiert. Ebenmässige Verteilung nicht vorgesehen!

Stockholm und Martinsumzug

Gestern waren wir in Stockholm und haben….

…den Wachwechsel am Königlichen Schloss gesehen

…leckeren Fisch zum Mittag gegessen (allerdings war das Vergnuegen etwas geschmälert dadurch dass Albert nicht wirklich ruhig sitzen konnte)

…eine Laterne gebastelt in der deutschen Kirchgemeinde und später am Martinsumzug teilgenommen

…die Schiffe am Hafen bestaunt (aus einem Schornstein kam sogar Rauch – wie toll fuer Albert!)

…einen 20-30 Meter hohen (noch ungeschmueckten) Weihnachtsbaum am Hafen bestaunt

…die vielen Lichter, die schnuckeligen engen Strassen und die tolle Atmosphäre genossen

…uns gefragt wieso wir so selten nach Stockholm fahren – wenn wir dort sind, atmen unsere Seelen auf (Land ist schön, aber eine Halb-Stadt wie Uppsala ist weniger berauschend)

…auf dem Flohmarkt etwas Tolles erstanden

…auf dem Spielplatz gespielt

…und insgesamt einen durchaus ermuedenden aber sehr schönen Tag gehabt!

Albert war so begeistert vom Laternenbasteln und so stolz auf seine Laterne – das hat uns richtig Spass gemacht, ihm zuzusehen!

Kerzenlicht

Nun ist bei uns die dunkle Jahreszeit schon sehr präsent. Der Sonnenuntergang ist ca. 15:30 und es verbleibt nicht mehr viel Licht nachdem Albert zuhause angekommen ist. Umso besser, dass es Kerzen gibt! Die kann man ansehen und ausblasen! Hier bereits ein erstes Bild davon:

Das Sprechen

Leider ist mir im Laufe der letzten Monate die Zeit nur so durch die Finger geglitten. Die Umstellung auf Kindergarten und die Wiederaufnahme meiner Doktorarbeit haben fuer ausreichend Turbulenzen gesorgt. So langsam kommt alles in etwas geordnetere Bahnen und ich realisiere, wie wenig wir bislang Albert’s sprachliche Entwicklung dokumentiert haben. Obwohl das ja eigentlich eine wirklich spannende Angelegenheit ist.

Ungefähr um seinen zweiten Geburtstag herum hat er einen wirklichen „Schub“ in Sachen Sprache durchlebt. Er hat plötzlich sehr viele Worte produziert, täglich sichtlich neue Worte dazugelernt und alles verlief wesentlich rasanter als vorher.

Das passt ganz gut mit den entwicklungspsychologischen Forschung zusammen, die einen solchen Schub um die 18 Monate vermutet. Bei Albert ist das aufgrund der anfänglich 2 und nun 3 Sprachen nach hinten verlegt – was ja an sich nicht sonderlich ueberrascht.

Seitdem er seit Mitte August im Kindergarten ist, hat er bereits schon einige Worte Schwedisch gelernt und hat auch im Kindergarten keine sprachlichen Probleme. Lustigerweise verbindet er in seinen (nun zunehmend 3- oder 4-Wort-) Sätzen gerne deutsche Worte mit schwedischen Endungen. So ist alles „-erna“. Auto wascherna zum Beispiel.

Oder er mischt gerne ungarische und deutsche Worte in einem Satz. Oft benennt er auch bestimmte Gegenstände gleich in beiden Sprachen wenn sowohl Papa als auch Mama anwesend sind.

Heute ist uns zum ersten Mal aufgefallen, dass der „én“ gesagt hat, „ich“ auf Ungarisch. Im Deutschen habe ich das noch nicht bemerkt. Bislang hat er sich nur mit „Albert“ betitelt, aber nun ist er scheinbar auch auf bestem Weg, Bekanntschaft mit der 1. Person Singular zu machen!