Besuch aus Schweden

Anfang Juni haben uns unsere 3 Freunde aus Uppsala besucht. Seitdem ist Albert’s Wortschatz um ein wichtiges Wort erweitert worden. „Lulu“. Dieses Wort taucht seit ihrem Besuch in unregelmässigen Abständen immer wieder auf. Sogar während Albert schläft. Lulu ist der Code fuer den ihn um einige Zentimer, Kilogramms und Lebenstage (2 Monate) uebertreffenden Sohn unserer schwedischen Freunde. In den nächsten Beiträgen wird er immer wieder mit Albert zu sehen sein.

Die beiden hatten von wilden Gequietsche und Gerenne, sowie Protestgeschrei und -besserei viel miteinander zu teilen. Intensiv waren sie miteinander verwickelt und haben sich die Zeit gegenseitig keineswegs langweilig gemacht.

Bedauernswert war, dass sowohl Lulu als auch der dazugehörige Papa krank waren während ihres Aufenthaltes. Das hat die Zeit etwas anders gestaltet als geplant. Dennoch hat es die beiden Jungs nicht daran gehindert, ihre Gesellschaft zu geniessen. Und ich kann mich nur anschliessend – es tat richtig gut, mal ausgiebig und ehrlich zu reden, die Seele ein wenig in den Wind zu hängen und die Worte dahinplätschern zu lassen. Eine Wohltat!

Albert’s Urlaubsgeschichten

I. Wir sassen im Auto, auf dem Weg irgendwo hin, Albert zappelte gelangweilt mit seinen Beinen. Um ihm die Eintönigkeit erträglicher zu machen (und das Jammern zu vermeiden) gab ich ihm meinen Ehering zu spielen. Sämtliche Finger (auch mehrere auf einmal) wurden damit geziert bis der Ring dann plötzlich verschwand. Auf meine Frage nach seinem Verbleib erntete ich ein sattes Grinsen und ein Deuten auf den Ritz neben Kindersitz und Tuer. Nett. Naja, dann hole ich ihn eben wieder wenn wir aussteigen, dachte ich. Gesagt getan.

Nachdem ich Albert aus seinem Sitz klamuesert hatte, sah ich den Ring dort, wo sein Allerwertester vorher platziert gewesen war. Ne, oder? Da hatte er mich doch wohlwissend hinters Licht gefuehrt!

Du glaubst das nicht? Nun, die Geschichte Nr. 2 bestätigt seine Fähigkeit zur Täuschung.

II. Auf dem Grundstueck des Ferienhauses stand ein mit einem Deckel versehener Plastikcontainer. Albert rannte zum Container mit einer Plastiktuete, die er schwuppdiwupp in denselben hineinbeförderte. Ich erklärte ihm, dass der Container keinesfalls ein Abfalleimer sei (war er wirklich nicht) und holte die Plastiktuete wieder heraus. Zu meinem Erstaunen fand ich einige Spieltiere von Albert’s kleinem Freund in der Tuete. Als ich ihn auf diesen Irrtum hinwies und ihm die Tiere zeigte, schuettelte er rigeros den Kopf, sagte: “Nein, nein!”, steckte sie prompt wieder hinein und beförderte die Tuete erneut in den Container.

Ein Versehen kann das wohl kaum gewesen sein. Schlauer Schlingel!

III. Wieder angekommen in Rom, steigt András aus dem Auto aus. Die Autoschluessel bleiben veruebergehend im Zuendschloss. Ich entgurte Albert und steige selbst aus um ihn dann auf der gegenueberliegenden hinteren Tuer aus dem Auto zu holen. Hinter mir die Tuer zuschlagend sehe ich, dass Albert nach vorn auf den Fahrersitz klettert. Noch ehe ich vorne bei der Tuer bin, zentralverriegelt er das Auto von innen mit einem eleganten. Oh nein! András sieht das Malheur. Albert versucht ausserdem den Zuendschlussel im Schloss zu drehen. András gestikuliert vehement und sagt “Nein!” Albert lässt von seinem Unterfangen ab. Die Spannung steigt. András eilt zu unseren neben uns parkenden Freunden um die Lage zu besprechen. Ich stehe wie gebannt vor dem Fenster und starre in Albert’s Gesicht. Wenn er unsere Unsicherheit und Panikanflug spuert, beginnt er zu weinen und dann haben wir verloren. Also schnell, hoffend, deute ich auf den Verriegelungsknopf und ziehe den imaginären Hebel nach oben. Albert schaut mir konzentriert zu. Greift den Hebel. Zieht ihn hoch. Ich öffne die Tuer. Alle atmen wieder. Kopfschuetteln ueber unseren Sohn. Einerseits ueber seine Schnelligkeit hinter das Steuer zu gelangen, andererseits ueber sein Verstehen und seine Geschicklichkiet. Er hat weder das Auto vorher verriegelt (auch keine einzelne Tuer) noch jemals entriegelt. Was haben wir doch fuer einen unglaublichen Sohn! Selten bin ich so stolz auf ihn gewesen wie in diesem Moment.