„Mama, das ist eine Kanone! Damit können wir pengen auf die Drache!“
Monat: Dezember 2012
Nur ich nicht
Die Luft war etwas raus heute Abend. András musste sich ausruhen und ich wollte eigentlich mit Albert lesen, aber meine Stimme und das Husten liessen das nicht wirklich zu. Also musste ich etwas finden, was weniger Sprache beinhaltet und auch vom Bett aus möglich ist – ausser Filme sehen, denn das sollte später noch kommen.
Ich erinnerte mich, eine kleine Überraschung in meine Jackentasche gepackt zu haben – als Reserve. Eine kleine Papptafel mit Sichtfenster auf der man Malen kann und hinterher das Gemalte durch Rausziehen der Malunterlage wieder löscht. Albert freute sich, war aber nicht extrem interessiert. Stattdessen fragte er, ob er denn jetzt noch mehr Geschenke bekommen könne. Ich verneinte und erklärte, dass die Sache so nicht funktioniert.
Er entwortete prompt so etwas wie „Ich will noch mehr Geschenke! Andere Kinder haben auch mehr Geschenke! Nur ich nicht!“
So. Noch so eine Überraschung. Wer ihm bloß diese Manövriererei beibringt! Ich beruhigte András in unserem Gespräch heute Abend, dass ihm sein Sohn ein ebenbürtiger Partner sein wird, wenn Albert, 15-jährig, ein paar Dinge mit seinem Vater zu „klären“ hat. Ein Glück! Er braucht sicht nicht vor Unterforderung zu fürchten! Ich vermutlich auch nicht….
Postkarte
Ich lag den ganzen Tag schlapp im Bett. Über Nacht ständig gehustet und konnte nicht wieder einschlafen. András ist auch ständig dadurch wachgeworden. Um mich im Bett zu lassen, ist der Arme (der auch Halsschmerzen hat) mit Albert mehr oder weniger den ganzen Tag auf Pirsch gegangen. Waren in einem Museum mit einer mittelalterlichen Ausstellung und einem großen interaktiven Teil zum Entdecken für Kinder. Albert hat sich sogar als Ritter verkleiden dürfen! Da allein waren sie fast 2 Stunden. Und haben mir eine digitale Postkarte geschickt. Total lieb.
Hier ist sie.
Schießenbogen
Albert hat heute gesagt, dass er Schießenbogen (= Bogenschießen) lernen will. Da bin ich gespannt!
What´s your name?
András und ich sprechen ab und zu Englisch, wenn wir vor Albert über ihn sprechen. Heute fand er das anscheinend besonders langweilig und stimmte darauf mit lautem Kauderwelsch ein.
„O“, wendete ich mich an ihn “ do you want to speak English with me?“ Grinsendes und nickendes Kind. Keine Ahnung ob er versteht, was ich sage. „What´s your name?“, frage ich ihn. „Albert!“, kommt prompt die Antwort.
Sprachlose Eltern, grinsendes Kind.
In Sachen Schiessen
Albert hält ein Stück Plätzchen in der Hand. Steht mir gegenüber, streckt seine Hand mit dem Kleingebäck schlagartig in meine Richtung und ruft „Peng, peng! Ich schiessen dich! Mit meiner kleinen Kanone!“
Ok. Da sind wir also. 3 Jahre, 4 Monate. Das nennt man Imitation oder Lernen durch Nachahmung. Der Kindergarten machts möglich! Schneller als gedacht…
Naja. Auf der anderen Seite singen wir auch schön fröhlich das Lied „Fuchs du hast die Gans gestohlen“, mit dem Text „sonst wird dich der Jäger holen mit dem Schiessgewehr“ und „mit seiner langen Flinte schießt dich auf den Schrot“. Vielleicht ist das eben einfach so. Bloss, das ich ja nie ein Junge gewesen bin und mich nicht daran erinnern kann, mit imaginären Kanonenkugeln umherzuschießen.
Ich gehe also vorerst mal in Deckung oder stehle die Kanone. Dann kommt es zum Nahkampf. Der meistens in einem schreienden Lachen von unserem Sohn endet.
Auf dem Weg nach Gotland
Heute sind wir nach Gotland aufgebrochen. Ein kleiner gemeinsamer Urlaub für ein verlängertes Wochenende. Zu verdanken einem überaus günstigen Angebot für Schiffstickets plus Übernachtungen auf der Insel. Nach einer ewig erscheinenden, mehr als einstündigen Zugfahrt im sogenannten ‚Pendeltåg“, der uns vom Hauptbahnhof bis nach Nynäsham brachte, erreichten wir die Fähre. Unkompliziertes Check-in. Bloß langsam. Papa gab den großen Rucksack auf. Albert rannte schon voraus, ich in etwa 50 m Abstand hinter ihm. Einige vorbeipilgernden Passagiere schauten den kleinen Bengel belustigt an. Albert kommentierte dieses Verhalten mit einem sehr vehementen : „Ich mag nicht Leute anschauen mich! Dann bin ich ungeduldig (=wütend)!“
Die Überfahrt verlief ruhig. Das Mittagessen auch. Für András, weil Albert relativ viel Zeit in der Spielecke und im Kinderkino verbrachte, für mich, weil ich am vorderen Innendeck für ca. 2 Stunden fast ununterbrochen schlief. Angeblich sind die beiden Herren zwischendurch leise an mir vorbeigeschlichen. Und haben eine in Papa´s Winterjacke vermummte Gestalt gefunden, mit Kapuze über dem Kopf. Der Schlaf hatte mich eingeholt – der heftige Husten der letzten Tag hat mich trotz zwei Tagen Bettruhe nicht verlassen.
Albert wird seinen Husten nach über 2 Wochen nun langsam los, nun habe ich ihn und es sieht aus, als ob András jetzt auch noch erwischt wird. Vielleicht spielen wir in den nächsten Tagen das Stück „Krank in Gotland“. Das heisst natürlich, 2 kranke Eltern und ein superfittes Kind.
Mal sehen, vielleicht wirkt die Seeluft ja Wunder. Etwas besser als gestern geht es mir schon. Wenn wir Glück haben, wird András erst richtig erwischt, wenn ich schon durch das Gröbste durch bin. Dann kann er schlafen, während ich mit dem kleinen Ritter an der mittelalterlichen Burgmauer entlangspaliere und nach eventuellen Drachen Ausschau halte…