Ansichten und Einsichten

Gerade habe ich durch die Einträge der letzten 1, 5 Jahre geblättert. Ich kann einfach nicht glauben, wieviel in dieser Zeit passiert ist und wie schnell sie rueckblickend vergangen ist! Die mehr oder weniger regelmässigen Einträge auf diesen Seiten erzählen Alberts Geschichte. Und wie seine Geschichte mit der meinigen/unsrigen verflochten ist. Manchmal frage ich mich, ob ich durch die vielen Fotos nicht zu sehr zum Zuschauer der Gegenwarte werde. Ob die Momente nicht manchmal zu krampfhaft digitalisiert werden. Auf der anderen Seite erlebe ich die Gegenwart durch die Kamera. Ja, ich halte einen Moment fest, fuer jetzt und fuer später, aber ich halte nicht nur einen Splitter von Alberts Geschichte fest, ich verrate auch gleichzeitig ein wenig, wie ich ihn erlebt habe. So zum Beispiel, wie ich die Beziehung zwischen Vater und Sohn erlebt habe. Mir ist beim „Blättern“ aufgefallen, wieviel Zeit die beiden miteinander verbracht haben, wieviele innigen Momenten ich beiwohnen durfte. Selbstverständlich luegt die Kamera auch ein wenig. Nicht unbedingt in dem, was sie zeigt, viel mehr in dem, was sie nicht zeigt. Alberts Bauchweh in den ersten drei Monaten, sein häufiges Aufwachen in der Nacht bis zum Ende des ersten Lebensjahres und vieles mehr. Auch das ist ein Teil der Geschichte obwohl dieser weniger anschaulich gemacht ist.

Nachdem ich nach einem halben Jahr Betreuung von Albert meine Promotion begonnen hatte und wir nach Schweden gezogen waren, hat sich viel geändert. Ich habe andere Ausschnitte aus Albert’s Leben miterlebt als vorher und habe gewissermassen auch eine andere Rolle uebernommen. Papa wurde zur Bezugsperson Nummer 1 und hat mit viel Liebe und Geduld Albert von 6 – 17 Monaten begleitet. Ich fand es nicht immer leicht, zum Teil sehr deutlich als zweitrangig „behandelt“ zu werden. Auf der anderen Seite muss eben einer der Eltern in diesen sauren Apfel beissen. Und diesmal war eben ich an der Reihe. Nun schlagen wir ein neues Kapital auf. Hier, in Rom (und später auch noch fuer einige Wochen in Schweden) bin ich nun ganz fuer Albert da. Ich hatte vorerst ein wenig Angst vor dieser Umstellung. „Neue“ Aufgabe (im Sinne von Albert in einem anderen Entwicklungsstadium) und neues Umfeld. Sicherlich kann nach diesen ersten Tagen noch kein endgueltiges Wort zu diesem Thema gesagt werden. Aber zumindest ist meine Sorge gewichen und ich habe verstanden, dass wir auf einer Entdeckungsreise sind. Albert und ich. Wir entdecken Rom, wir entdecken einander und wir entdecken uns selbst. Dass die Kamera ein wichtiger Bestandteil dieser Reise ist, bedeutet fuer mich viel. Ob die Spuren, die sie hinterlässt, immer vollständig sind oder sich der Einseitigkeit verwehren können, sei dahingestellt. Auf jeden Fall bleiben die Bilder. Fuer jetzt und fuer später. Sicherlich fuer den Moment in dem ich, wie heute, die Kapitel zurueckschlage und mir ansehe, wie das Leben mit Albert ausgesehen hat. Dann darf ich wieder und wieder feststellen, wie besonders und wie schön mein Sohn ist. Das ist sicherlich das Wertvollste, was die Kamera fuer mich und fuer uns tun kann.

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